André Paul Guillaume Gide [ɑ̃dˈʁe pɔl ɡiˈjom ʒi(ː)d] (* 22. November 1869 in Paris; † 19. Februar 1951 ebenda) war ein französischer Schriftsteller. 1947 erhielt er den Literaturnobelpreis.
Herkunft, Jugend und Heirat
André Gide war das einzige Kind einer wohlhabenden calvinistischen Familie des Bürgertums. Der Vater, Paul Gide (1832–1880), hatte einen Lehrstuhl für Römisches Recht an der Juristischen Fakultät von Paris inne und stammte aus der mittleren Bourgeoisie der südfranzösischen Kleinstadt Uzès, die Mutter, Juliette Rondeaux (1835–1895), aus der Großbourgeoisie von Rouen. Die Familie lebte in Paris, verbrachte die Tage um Neujahr regelmäßig in Rouen, die Osterzeit in Uzès und die Sommermonate auf den beiden Landsitzen der Rondeaux' in der Normandie, La Roque-Baignard im Pays d’Auge und Cuverville im Pays de Caux.
Mit knapp elf Jahren verlor Gide seinen Vater. Zwar trat dadurch keine materielle Notlage ein, doch war er nun ganz der puritanischen Erziehung seiner Mutter und ihrer begüterten Familie aus der Normandie unterworfen. In seiner Autobiographie wird Gide die eigene Kindheit und Jugend, speziell das Wirken der strengen, freud- und lieblosen Mutter in dunklen Farben malen und für seine Probleme als Heranwachsender verantwortlich machen: „In dem unschuldigen Alter, in dem man in der Seele gerne nichts als Lauterkeit, Zartheit und Reinheit sieht, entdecke ich in mir nur Finsternis, Häßlichkeit und Heimtücke.“ Gide hatte seit 1874 Unterricht bei Privatlehrern, besuchte phasenweise auch reguläre Schulen, immer wieder unterbrochen durch Nervenleiden, die ärztliche Behandlung und Kuraufenthalte erforderlich machten. Im Oktober 1887 trat der fast 18-jährige Gide in die Unterprima der reformpädagogischen École Alsacienne ein, wo er sich mit Pierre Louÿs anfreundete. Im Jahr darauf besuchte er die Oberprima des Traditionsgymnasiums Henri IV, an dem er im Oktober 1889 das Baccalauréat ablegte. In dieser Zeit begann seine Freundschaft mit Léon Blum.