Antero Tarquínio de Quental (* 18. April 1842 in Ponta Delgada, Azoren; † 11. September 1891 ebenda) war ein portugiesischer Dichter, Kritiker und Sozialreformer. Er gilt allgemein als bedeutendster portugiesischer Dichter des 19. Jahrhunderts. Außerdem war er einer der führenden geistigen Köpfe Portugals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denen eine geistige Revolution vorschwebte.
Herkunft und Jugend
Antero de Quental wurde 1842 in Ponta Delgada auf den Azoren als Sohn des Großgrundbesitzers Fernando de Quental und von Dona Ana Guilherma de Maia Quental geboren. Die großbürgerlich-aristokratische Familie Quental gehörte zu den führenden Familien der Azoren. Ihr entstammten seit dem 17. Jahrhundert zahlreiche Persönlichkeiten des Geistes- und Kulturlebens Portugals. Einer der Vorfahren von Antero de Quental war der Geistliche Bartolomeu de Quental (1626–1698), seit 1647 Professor an der Universität Évora, seit 1654 Hofprediger von König João IV. Der Dichter António Feliciano de Castilho (1800–1875) war ein Nachbar der Familie. Antero de Quental war dort häufig zu Gast und bekam erstmals dort auch seine Affinität für Volksbildung und soziale Fragen beigebracht.
Studium und literarische Anfänge
Antero de Quental besuchte von 1856 bis 1858 das Colégio São Bento in Coimbra. In derselben Stadt immatrikulierte er sich als Student der Rechtswissenschaften, wo er das Studium 1858 aufnahm und 1864 abschloss. Sein Onkel, Filipe de Quental, war zu dieser Zeit als Professor für Medizin in Coimbra tätig. Noch während seiner Studienzeit gab er eine Studentenzeitschrift heraus, freundete sich mit später so berühmten Persönlichkeiten wie Eça de Queiroz oder Teófilo Braga an und wurde Kopf eines studentischen Geheimbundes „Raio“, der den Sturz des reaktionären Rektors der Universität von Coimbra heraufbeschwor sowie mit einem Marsch von zweitausend Studenten auf Porto für eine liberalere Universitätspolitik sogar die Armee zum Einsatz zwang. Daneben wurde Quental der führende Kopf der sogenannten Schule von Coimbra bzw. der Frage von Coimbra, eines Zirkels, der sich die kulturelle, vor allem künstlerische und literarische Erneuerung von Portugal ersehnte und sich von den Dichtern der portugiesischen Tradition von der Renaissance über den Barock bis zur Romantik wie Luís de Camões, António Vieira, Almeida Garrett, Alexandre Herculano und António Feliciano de Castilho absetzen wollte. So entstanden in Coimbra zwei literarisch-kulturelle Parteien, die einander aufs schärfste bekämpften und dank ihrer Debatten der portugiesischen Kultur neue Impulse gaben.