Jacques Henri Bernardin de Saint-Pierre (* 19. Januar 1737 in Le Havre; † 21. Januar 1814 in Éragny bei Paris) war ein französischer Schriftsteller.
Leben und Schaffen
Saint-Pierre (so sein eigentlicher Nachname, auch wenn er in Literaturgeschichten und Lexika oft unter Bernardin geführt wird) wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Le Havre auf, erhielt eine passable Schulbildung und wurde von der Literatur „angesteckt“ als er Robinson Crusoe las. Sein Onkel, ein Kapitän, soll ihn ca. 1749 nach Westindien mitgenommen haben. Nachher studierte er Straßen- und Brückenbau an der neu gegründeten École nationale des ponts et chaussées. Anschließend trat er als Ingenieur in die französische Armee ein, die gerade an der Seite Österreichs den Siebenjährigen Krieg (1756–63) gegen Preußen und England führte. Er musste 1762 aber, als schwierige Person verschrien, seinen Abschied nehmen. Hiernach führte er eine unstete, von nebulösen Projekten und deren Scheitern bestimmte Existenz mit Reisen und längeren Aufenthalten in Russland und Deutschland. 1768 reiste er mit einem Auftrag als Planungsingenieur auf die damals französische Insel Mauritius (Île de France) im Indischen Ozean, fand aber keinen rechten Tätigkeitsbereich und beschäftigte sich mit Naturstudien.
1771 ließ sich Saint-Pierre mittellos in Paris nieder und begann zu schriftstellern. Als er nicht den erhofften Kontakt zu den Encyclopédisten fand, befreundete er sich mit dem zurückgezogen am Stadtrand lebenden Jean-Jacques Rousseau und wurde dessen Jünger. Sein erstes Werk: Voyage à l’Isle de France (= Reise zur Île de France, 1773), blieb unbeachtet. Ein Erfolg dagegen wurden die dreibändigen Études de la nature (= Naturstudien, 1784), deren schwärmerische Bewunderung und häufig äußerst spekulative Erklärung der „Natur“ offenbar den Zeitgeist traf.