Colette (eigentlich Sidonie-Gabrielle Colette [sidɔni ɡabʁiɛl kɔlɛt]; * 28. Januar 1873 in Saint-Sauveur-en-Puisaye, Département Yonne (Burgund); † 3. August 1954 in Paris) war eine französische Schriftstellerin, Varietékünstlerin und Journalistin.
Jugend und erste Ehe
Sidonie-Gabrielle Colette wuchs als jüngstes von zwei Halbgeschwistern und einem Bruder im Burgund auf, wo ihr Vater, ein wegen Kriegsverletzung ausgemusterter Offizier, Steuereinnehmer war. Anders als die drei älteren Geschwister besuchte sie keine weiterführende Schule, wurde jedoch von ihrem literarisch interessierten Vater sowie vor allem von der klugen, verständnisvollen Mutter gefördert, mit der sie bis zu deren Tod in engem Briefkontakt blieb.
Bei einer Reise nach Paris lernte sie 1889 den 30-jährigen Henry Gauthier-Villars kennen, der sich dort schon einen gewissen Namen als Literat und Lebemann gemacht hatte. 1893 heiratete sie ihn und wurde von ihm, der rasch ihr Schreibtalent erkannte, angelernt und ausgenutzt. Unter seinem Pseudonym „Willy“ verfasste Colette ab 1896 eine Reihe von zunehmend erfolgreichen Romanen, die in der Ich-Erzählhaltung mit vielen autobiografischen Elementen die Geschichte einer jungen Frau erzählen: Claudine à l’École, Claudine à Paris, Claudine en Ménage und Claudine s’en va (1900 bis 1903 erschienen; in der deutschen Übersetzung heute verlegt als Claudine erwacht, Claudine in Paris, Claudine in der Ehe und Claudine geht). Bald nach ihrem vorerst letzten Claudine-Roman (1903) ließ sich Colette von ihrem untreuen Ehemann scheiden, der sich allerdings die Autorenrechte an den Claudine-Romanen sicherte. 1907 veröffentlichte Colette La Retraite sentimentale (dt. Claudine findet zu sich selbst), eine Fortsetzung der Reihe, die sie 1922 mit La Maison de Claudine (dt. Mein Elternhaus, später Claudines Mädchenjahre) schließlich auch in die burgundische Kindheit ihrer Heldin verlängerte.