Emilio De Marchi (Pseudonyme: Marco d’Olona, Primo De Vecchi, Primo De Novi; * 31. Juli 1851 in Mailand; † 6. Februar 1901 ebenda) war ein italienischer Schriftsteller. Er gehört zu den bedeutendsten Erzählern der italienischen Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sein erfolgreichstes Werk ist der Kriminalroman Il cappello del prete, der dreimal ins Deutsche übersetzt wurde.
Leben
De Marchi wurde 1851 im damals zum Kaisertum Österreich gehörenden Mailand geboren. Mit 9 Jahren verlor er seinen Vater, und seine Mutter, die 1848 im Fünf-Tage-Aufstand gekämpft hatte, kümmerte sich fortan alleine um die vielköpfige Familie. Zwischen 1863 und 1871 besuchte er das Gymnasium und studierte anschließend an der 1859 gegründeten Accademia scientifico-letteraria, die er 1874 abschloss. Im Juli 1874, kurz vor seinem 23. Geburtstag, veröffentlichte er seine erste Erzählung I due filosofi („Die zwei Philosophen“) in der Monatszeitschrift Il Convegno. 1876 gründete er die literarische Halbmonatszeitschrift Vita nuova (in Anlehnung an Dante Alighieris Vita nova) mit, in der er unter anderem die Erzählung Fiori naturali e fiori di carta („Natürliche Blumen und Papierblumen“) und seine ersten Romane Il signor Dottorino („Der junge Herr Doktor“, 1876) und Due anime in un corpo („Zwei Seelen in einer Brust“, 1877) veröffentlichte. Letzterer erschien 1878 zusammen mit drei Erzählungen in Buchform.
De Marchis Werke standen der Poetologie und den Ideen der Scapigliatura nahe, zeigten aber bereits seinen unverwechselbaren Stil mit viel Pathos, Humor und Ironie, was ihn wiederum grundsätzlich von den Veristen unterschied: Seine Erzählinstanz ist nie neutral oder „wertfrei“, sondern nimmt aktiv am Geschehen teil, kommentiert und zeigt Mitgefühl mit den Figuren. De Marchis großes Vorbild war Alessandro Manzoni, einflussreich waren auch Honoré de Balzac und Charles Dickens.