Ferdinand Raimund eigentlich Ferdinand Jakob Raimann (* 1. Juni 1790 in Wien-Mariahilf; † 5. September 1836 in Pottenstein) war ein österreichischer Schauspieler und Dramatiker. Gemeinsam mit Johann Nestroy war er Hauptvertreter des Alt-Wiener Volkstheaters.
Leben
Ferdinand Raimund war der Sohn des am 11. Juli 1745 in Prag geborenen Kunstdrechslers namens Jakob Raimann, der seinerzeit Katharina Merz (* ca. 1753), die Tochter seines Meisters, geheiratet und den Betrieb übernommen hatte. Der Vater eröffnete später eine eigene Werkstatt im Haus Mariahilf 10 (heute: Mariahilfer Straße 45, Durchgang zur Windmühlgasse 14 – Passage), wo Ferdinand Raimund geboren wurde. Seine Urgroßeltern, Christian und Christine Raimann (die Großeltern seines Vaters), waren Pächter des Hofwirtshauses „Gasthaus zum Bären“ auf dem Mariahilferberg bei Gutenstein, also in dem Ort, in dem Raimund sich später sein Haus kaufte und auch begraben wurde.
Ferdinand Raimund wurde am 1. Juni 1790 geboren und war das 12. oder 13. Kind seiner Eltern. Neun Geschwister – davon zwei gleichnamige Söhne – waren vorverstorben. Der spätere Schauspieler und Dramatiker wuchs mit zwei älteren Schwestern auf. Seine fast doppelt so alte Schwester Anna zog ihn nach dem frühen Tod der Eltern groß. Trotz bescheidener finanzieller Verhältnisse wurde Ferdinand auf die angesehene St.-Anna-Normalhauptschule geschickt. Nach dem Tode der Mutter am 26. März 1802 an Lungenbrand und des Vaters am 29. November 1804 musste der vierzehnjährige Ferdinand die Schule abbrechen. Er machte ab 1805 eine Lehre beim Zuckerbäcker Jung in der späteren k.u.k. Hofzuckerbäckerei (heute Konditorei Demel). Als „Numero“ bot er am Nationaltheater (dem späteren Burgtheater) Süßwaren seines Meisters in den Spielpausen an und machte dabei die erste Bekanntschaft mit dem Theater. Besonders imponierte ihm der deutsche Mime Ferdinand Ochsenheimer (1767–1822), der vom 9. bis zum 26. Mai 1807 in Wien gastierte und dessen Stil er einige Jahre lang bis ins kleinste Detail kopierte.