George John Romanes (* 19. Mai 1848 in Kingston, Ontario, Kanada; † 23. Mai 1894) war ein britischer Evolutionsbiologie. Er legte den Grundstein für die Tierpsychologie und sagte Ähnlichkeiten zwischen den kognitiven Prozessen bei Menschen und Tieren voraus, schrieb Tieren jedoch auch in weit stärkerem Maß menschliche Eigenschaften zu als dies wissenschaftlich gesichert war (Anthropomorphismus).
Er war der jüngste von Charles Darwins akademischen Freunden. Seine Sicht auf die Evolution hat historische Bedeutung. Romanes führte den Begriff Neodarwinismus ein, der heute noch genutzt wird, um eine neuere Form des Darwinismus zu bezeichnen. Innerhalb von sechs Jahren wurden die mendelschen Arbeiten wiederentdeckt und neue Ansichten zur Debatte gestellt.
Leben
Romanes wurde als dritter Sohn eines schottischen, presbyterianischen Pfarrers geboren. Als er zwei Jahre alt war, kehrte seine Familie nach England zurück, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Wie viele englische Naturforscher war er kurz davor, Theologie zu studieren, entschied sich dann aber doch zu einem Studium der Medizin und Physiologie an der Cambridge University. Obwohl er aus einem gebildeten Elternhaus stammte, war seine schulische Ausbildung wechselhaft. Mit nur mäßigen Vorkenntnissen betrat er die Universität. 1871 beendete er als Bachelor of Arts sein Studium am Gonville and Caius College, wo ihm heute mit einem Buntglasfenster in der Kapelle gedacht wird.
In Cambridge wurde Charles Darwin auf Romanes aufmerksam. „Wie glücklich ich bin, dass du so jung bist“, sagte Darwin damals. Bis zu dessen Tod blieben sie Freunde. Geleitet von Michael Forster führte Romanes seine Arbeit über wirbellose Tiere an der University College London fort. Für seine Arbeit über das Nervensystem der Medusen wurde ihm die Mitgliedschaft der Royal Society in London verliehen. Romanes eröffnete die Reihe der alljährlichen öffentlichen Vorträge im Sheldonian Theatre in Oxford, die ihm zu Ehren seither „Romanes Lecture“ heißen.