George Kennan (* 16. Februar 1845 in Norwalk, Ohio; † 10. Mai 1924 in Medina, New York) war ein US-amerikanischer Forschungsreisender und Ethnologe.
Familie und Ausbildung
Kennans Familie war ursprünglich aus schottisch-irisch-englischer Abstammung. Seine Eltern waren amerikanische Einwanderer. Er war ein Sohn eines Lehrers und Rechtsanwalts Thomas Kennan und dessen Frau Mary Anne (geborene Morse), einer Angehörigen aus der Familie von Samuel F. B. Morse, dem Erfinder der modernen Telegrafie. So beschäftigte er sich schon früh mit dem Telegrafenwesen. Die Reiselust hatte er wohl vom Vater, während er sein Interesse an der Literatur und die genaue Beobachtungsgabe der Mutter verdankte. Die finanziellen Verhältnisse der Eltern ließen es nicht zu, dass er eine höhere Schulbildung erhalten oder ein Studium absolvieren konnte. Frühzeitig musste er zu Lebensunterhalt beitragen. So wurde er im Alter von 12 Jahren in Cincinnati zum Telegrafenbeamten ausgebildet. Nebenher versuchte er sich selbst fortzubilden. Der Ausbruch des Bürgerkriegs erhöhte zudem die Arbeitsbelastung, was seiner Gesundheit schadete. Ergriffen vom Patriotismus wollte er sich zur Feldtelegrafie versetzen lassen, was abgelehnt wurde. Da ihn auch die Abenteuerlust gepackt hatte, bewarb er sich weiter, und wurde schließlich der russisch-amerikanische Überland-Telegrafen-Expedition zugeteilt. Da der Versuch der Western Union Telegraphengesellschaft durch den Atlantik eine Telegrafenverbindung herzustellen fehlgeschlagen war, beabsichtigte sie nun eine Landverbindung herzustellen, die von den Vereinigten Staaten, über Alaska und Sibirien bis nach Europa führen sollte, wobei lediglich ein kurzes Kabel durch die Beringstraße verlegt werden sollte. Auch wenn es nie zur Ausführung dieser Pläne kam, so erhielt Kennan doch im Herbst 1864 vom Leiter der Gesellschaft eine Anfrage, ob er sich binnen zweier Wochen nach Alaska begeben könne. Er telegrafierte zurück: „Nöthigenfalls in zwei Stunden!“ Dies war die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte.