Herbert Spencer (* 27. April 1820 in Derby; † 8. Dezember 1903 in Brighton) war ein einflussreicher Polyhistor und Systemphilosoph, der die seinerzeit aufgekommene Idee der Entwicklung zum ersten Prinzip der systematischen Erschließung sämtlicher wissenschaftlicher Gegenstandsbereiche erhob. Spencer galt zu seiner Zeit als „bedeutendster englischer Philosoph der Gegenwart“. Er inspirierte etliche spätere Ikonen der Wissenschaftsgeschichte und leistete als Vordenker der Etablierung von Disziplinen wie Biologie, Psychologie und Soziologie Vorschub. Innerhalb dieser Disziplinen wurde er allerdings dann als akademischer Außenseiter selbst nicht mehr wissenschaftlich rezipiert und seit Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich mit dem Stigma des Sozialdarwinismus versehen.
Herkunft, Jugend und frühe Karriere als Ingenieur
Spencer entstammt einer Lehrerfamilie aus dem religiösen Milieu protestantischer Nonkonformisten. Die Großeltern gehörten allesamt zu den frühen Methodisten, denen es vorrangig auf eine eigenverantwortliche, sozial engagierte Lebensführung im Unterschied zu einer bloß formalen Konformität gegenüber der kirchlichen Autorität ankam.
Nachdem Spencer mit der in der lokalen Schule angewandten „mechanischen Lehrmethode“ des Auswendiglernens nicht zurechtkam, besuchte er eine ursprünglich schon vom Großvater geleitete und dann von seinem Onkel William Spencer übernommene Schule. Der Unterricht richtete sich an den Anweisungen seines Vaters aus. Im Alter von 13 Jahren wurde er in die Obhut seines Onkels Thomas Spencer übergeben, einem in der Nähe von Bath ansässigen Pfarrer und vormaligen Lehrer, und von diesem im Heimunterricht beschult. Der Vater George Spencer vertrat die pädagogischen Ideen Johann Pestalozzis und entwickelte insbesondere ein neues Konzept der mathematischen Didaktik, für das sein Lehrbuch der Geometrie weithin bekannt wurde.