Herman Heijermans (* 3. Dezember 1864 in Rotterdam; † 22. November 1924 in Zandvoort) war ein niederländischer Schriftsteller, Journalist und Intendant. Vor allem als Dramatiker gewürdigt, gilt er als der bedeutendste Vertreter des Naturalismus in der niederländischen Sprache.
Herkunft und frühe Jahre
Herman Heijermans war das sechste von elf Kindern des Journalisten Herman Heijermans Sr. und der Matilda geb. Moses Spiers (1833–1906). Vor ihm waren die Malerin Marie Heijermans und die Pädagogin Ida Heijermans; nach ihm folgte der Arzt und Sozialmediziner Louis Heijermans. Die Familie wird als liberal jüdisch und kulturbeflissen beschrieben; zugleich herrschte eine gespannte Atmosphäre, da sich die Mutter als soziale Absteigerin sah und der Vater hohe Erwartungen an seine Kinder richtete, insbesondere an Herman jr. als den ersten Sohn. Während der Junior seinem Vater als Schriftsteller und Journalist nachfolgen wollte und während der Schulzeit einige Texte schrieb, drängte ihn sein Vater in eine wirtschaftliche Laufbahn. Nach dem Schulabschluss trat er in die NV Wissel- en Effectenbank (über Umwege in der ABN AMRO aufgegangen) ein, die ihn bei einem verbundenen Kleider- und Metallverwerter abstellte. Bald entstand eine Verlobung mit der Tochter eines Konkurrenten dieses Betriebes, deren Familie Heijermans mit dem Startkapital für ein eigenes Unternehmen ausstattete. Das eigene Unternehmen scheiterte vor 1892 unter einem Skandal; die Verlobung wurde aufgelöst.
Aufschwung als Schriftsteller
1891 wandte sich Heijermans wieder dem Schreiben zu. De Gids veröffentlichte 1892 seine Novelle ‘n Jodenstreek?, was ihn zum Sprung vom beschaulichen Rotterdam in das pulsierende Amsterdam ermutigte. Er wurde ein gefürchteter Theaterrezensent bei de Telegraaf. Unter dem Pseudonym Gerritje persiflierte er die handzahmen Rezensionen seiner Kollegen. Ab 1894 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Falkland, das bereits sein Vater gebraucht hatte, durch Jahrzehnte Kolumnen für de Telegraaf und für das Algemeen Handelsblad. 1893 inszenierte die Nederlandsche Tooneelvereeniging erstmals ein Drama Heijermans. Dora Kremer erinnerte entfernt an Henrik Ibsens Nora und wurde von der Kritik verrissen und nach vier Aufführungen abgesetzt. Heijermans unterstellte den Kritikern, sich an ihm gerächt zu haben, und wurde darin bestärkt, da die Kritik im Folgejahr sein Stück Ahasverus, das er unter dem Pseudonym Ivan Jelakowitsch veröffentlicht hatte, wohlwollend aufnahm. Eine Reise nach Paris brachte Heijermans mit dem Symbolismus in Kontakt, der zum Naturalismus in scharfem Gegensatz stand. Eine Zeit lang schlingerte Heijermans zwischen diesen Ideen, kehrte jedoch alsbald zum angestammten Naturalismus zurück, der seinen sozialistischen Idealen besser entsprach.