Leonid Nikolajewitsch Andrejew (russisch Леонид Николаевич Андреев; * 9. Augustjul. / 21. August 1871greg. in Orjol; † 12. September 1919 in Mustamäki, Finnland, heute Russland) war ein russischer Schriftsteller, Freund Maxim Gorkis, Sturmvogel der Revolution, 1917 ihr Gegner.
Leben
Leonid Andrejew war nach seinem Jurastudium für kurze Zeit als Anwalt in Moskau tätig, später als Journalist, Gerichtsberichterstatter und Feuilletonist. Wie die Mehrheit der russischen Intelligenz sympathisierte auch er mit der Revolution 1905, nach deren Scheitern wandte er sich allerdings den konservativen Kräften zu.
Diese Entwicklung und der Tod seiner Frau führten bei Andrejew zu einer pessimistischen, irrationalen Geisteshaltung, die durch den Einfluss von Schopenhauer, Tolstoi und Dostojewski noch verstärkt wurde. Seine anfangs realistische und expressionistische Erzählweise verdüsterte sich zunehmend, er wurde immer sarkastisch-resignierender. In seinen Schauspielen arbeitete Andrejew mit allegorischen Anspielungen, die Hässliches, Unharmonisches, Verunstaltetes hervorheben, ja überzeichnen, „um so das Gefühl des unerträglichen Ausgeliefertseins an Tod und Vernichtung noch zu verdichten“, er schildert seelische von Pessimismus erfüllte Leidenserzählungen.
Sein bekanntestes Theaterstück „Hinauf zu den Sternen“ (K swjosdam) vollendete Andrejew 1905. Dieses Drama entwickelte Maxim Gorki nach anfänglicher Zusammenarbeit unter dem Titel „Kinder der Sonne“ später allein weiter.
Andrejew begrüßte die russische Februarrevolution 1917, die Machtergreifung der Bolschewiki im Oktober desselben Jahres sah er hingegen als Katastrophe an. Daraufhin wanderte er mit kurzen Zwischenaufenthalten in Deutschland und Frankreich ins von Russland unabhängig gewordene Finnland aus. Dort veröffentlichte er gegen die Bolschewiki gerichtete Schriften, darunter den Text S.O.S., der einen Hilferuf der russischen Bevölkerung an den Westen darstellt. Er starb 1919 im Alter von 48 Jahren auf seinem Landsitz.