Mary Hunter Austin (* 9. September 1868 in Carlinville, Illinois; † 13. August 1934 in Santa Fe, New Mexico) war eine US-amerikanische Schriftstellerin, Dichterin und Dramatikerin. Sie wurde vorwiegend als frühe Theoretikerin des Feminismus und als Expertin, Fürsprecherin und literarische Bewahrerin des indianischen Kulturraums bekannt. Die von ihr in Santa Fe mitbegründete Spanish Colonial Arts Society wurde zu einer der wichtigsten Sammlungen traditioneller indianisch-hispanoamerikanischer Volkskunst in den USA.
Frühe Jahre
Mary Hunter war das zweite von vier Kindern von George und Susannah Savilla (Graham) Hunter. Der Vater, ein Einwanderer aus Yorkshire, war ein Anwalt und Bürgerkriegs-Veteran im Rang eines Captains, der unter Malaria litt und starb, als Mary gerade 10 Jahre alt war. Die Mutter war schottisch-irisch-französischer Abstammung. Sie hatte keine besondere Beziehung zu ihrer jüngsten Tochter, ignorierte das Mädchen und beschäftigte sich lieber mit den anderen Geschwistern, weshalb sich Mary ihre verständnisvolle ältere Schwester Jennie als Mutterersatz wählte. Umso härter traf es das Mädchen, als die geliebte Schwester an Diphtherie verstarb. So auf sich allein gestellt entwickelte sich Mary recht bald zu einer Einzelgängerin.
In ihren späteren Aufzeichnungen berichtete Mary Hunter Austin von einem „spirituellen Erlebnis“ im Alter von fünf Jahren, durch das sie sich ihre eigene „ganz private“ Religion erschuf. Eine tiefe innere Stimme habe sie „Inknower“, „Genius“ oder „I-Mary“ genannt. Diese Gabe half ihr beim Schreiben, das sie oftmals in einer Art Trance betrieb. Mit dem Tod des Vaters und der Schwester brach schließlich der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, aus ihr heraus und so fing sie mit zehn Jahren an, erste Gedichte zu schreiben.